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Möglichkeit und Wirklichkeit

4LP

Wirklichkeit wird zunehmend als Möglichkeitsfeld für Veränderungen und Innovationen betrachtet. Wie kann dies sein? Ist doch in der klassischen Metaphysik der Begriff der Wirklichkeit ein Gegenbegriff zum Begriff der Möglichkeit. Um den innovativen Übergang von Möglichkeit in Wirklichkeit und umgekehrt zu verstehen, sind Differenzierungen nötig. So müsste differenziert werden zwischen der fiktionalen Möglichkeit (z.B. Science Fiction), der theoretischen Möglichkeit (wissenschaftliche Berechnungen), der technischen Möglichkeit (Zeichnungen und Modelle), der sozial realisierbaren Möglichkeit (das Gewinnen der Öffentlichkeit) und der Wirklichkeit im Sinne der Realobjekte. Philosophisch besonders spannend ist die Differenz von fiktiver und realer Möglichkeit. Beides sind bloße Möglichkeiten, also Gedankengebilde. Aber einige Möglichkeiten lassen sich niemals verwirklichen, andere sind utopisch mit Bezug auf die technischen Mittel der Zeit und andere sind potentiell realisierbar. Es scheint demnach im Bereich des Ideellen selbst, d.h. der Möglichkeitssphäre, einen Realitätsfaktor zu geben, den es genauer zu entschlüsseln gilt. Damit könnte eine Innenansicht innovativer Prozesse gewonnen werden, die immer auch von Träumen, Visionen, Utopien und imaginativen Grenzüberschreitungen lebt, also von fiktionalen Elementen, die in Realität überführt werden. Philosophische Anknüpfungspunkte bieten Hans Blumenbergs Konzept einer „Geistesgeschichte der Technik“, Ernst Blochs „Ontologie des Noch-Nichts-Seins“ und Ortega y Gassets „Betrachtungen über Technik“. Auch die begrifflichen Instrumentarien aus der Utopie- und Innovationsforschung können herangezogen werden.